Keramik – Räume aus Ton und Zeit

Formen, die Geschichten tragen

Meine Keramik ist kein bloßes Objekt, sondern ein stiller Raum. Jedes Stück ist mehr als Form: Es ist eine Einladung, innezuhalten, zu verweilen, sich einzulassen.

Die Oberfläche erzählt von Bewegung und Ruhe zugleich. Wer ihr nachgeht, entdeckt Schichten, Vertiefungen, Übergänge – Spuren des Prozesses, die bewusst sichtbar bleiben.

So entsteht Keramik, die nicht nur betrachtet, sondern erlebt werden will.

Sie trägt Spuren von Feuer, Erde und Wasser und von den Händen, die sie geformt haben. In ihren Oberflächen offenbart sich ein Dialog aus Material, Erinnerung und Berührung.

»Meine Arbeit lebt von der Stille zwischen den Formen, sie ist Teil des Werkes.«

Künstlerisches Konzept – wie Keramik in meinen Gesamtansatz passt

Meine keramischen Konzepte entstehen aus Materialrecherche, Fundstücken und Ortsbezügen.Ton, Hitze und Glasur treten in einen Dialog, der archaische Tiefe und zeitlose Ästhetik verbindet. Jede Serie entwickelt sich organisch aus dem Dialog mit dem Material.

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Material & Technik – die Sprache des Tons

Ich arbeite mit Steinzeug, Porzellan und Fundton, gesammelt auf Wegen und Reisen. Jedes Material trägt seine Eigenlogik, seine Herkunft, seine Erinnerung.

Aus diesen Fundstücken entstehen meine Glasuren. Ich mahle das Material,  verbinde es mit Wasser und lege Schicht für Schicht auf das Grundmaterial.
Unter Hitze verschmelzen sie, prägen sich ein.
Was bleibt, ist die archaische Spur – verdichtet aus Material, Zeit und Erinnerung.
So werden Oberflächen zu haptischen Landschaften – geologische Archive, die Geschichten bewahren.

Vom Entstehen – Prozesse voller Zeit

Von der ersten Form bis zum fertigen Stück vergeht Zeit.
Trocknung, Brand, Abkühlung: Jede Phase prägt die Keramik und schreibt sich in das Werk ein.

Das Prinzip der Ver-Ortung zieht sich wie ein roter Faden durch meine Arbeit – als Gegenpol zu Entwurzelung und Entfremdung.

Auch in der Fotografie folge ich demselben Prinzip: Ein Wechselspiel aus Intention und dem Zulassen des Unerwarteten. Licht, Raum und Moment prägen jede Aufnahme – und können ihr eine unvermutete Wendung geben.

Inspiration & Handschrift – was meine Keramik prägt

Die alltägliche Gebrauchskeramik vergangener Zeiten, kulturübergreifend betrachtet und in meinen Händen weitergeführt, prägt meine Formensprache.

Ich verstehe meine Arbeit als dokumentarisch-poetische Spurensuche.
Dabei verarbeite ich gesammelte Elemente zu sichtbaren und fühlbaren Oberflächen.

Meine Keramik lebt vom Zusammenspiel archaischer Anmutung und stiller Zurückhaltung.

Schatten, Brüche und feine Unregelmäßigkeiten sind keine Fehler, sondern Teil des Dialogs zwischen Material, Raum und Betrachter.

Wabi-Sabi – Schönheit des Unvollkommenden

Wabi steht für schlichte Bescheidenheit, Einsamkeit und die Freude an rustikaler Einfachheit.
Sabi beschreibt die Schönheit des Alterns und der Patina, die Eleganz, die Dinge im Laufe der Zeit und durch ihre Nutzung entfalten.
Hinter dem Konzept steht die Akzeptanz, dass nichts dauerhaft, perfekt oder endgültig ist.
Die Welt ist geprägt von Vergänglichkeit und ständiger Veränderung – und genau darin liegt ihre stille Schönheit.

Serien im Fokus – Schatten & Spuren

 

Schatten

Schatten sind keine Abwesenheit von Licht, sondern eigenständige Präsenz.

Als Antwort auf Corona entstand in meinem Studio aus Abfall eine Auseinandersetzung mit der Schattenseite der Keramik. Diese wurde in Oberflächengestaltungen und in Alltagsobjekten wie Schalen, Bechern und Platten umgesetzt. Sie sind eine Reminiszenz an das gemeinsame Essen, das in dieser Zeit nicht mehr möglich war. Material und Form tragen dieses Thema weiter. Die Technik basiert auf einem Schichtaufbau bei Temperaturen zwischen 1220 und 1250 °C.

 

Traces / Spuren

​​Sie verbinden Orte und Zeiten – spürbar mit den Händen, alchemistisch verwandelt.

 

Spuren_Sizilien

Gesammelte Materialien: Basalt, Vulkanasche oder Lapilli, Tuff, Marmor, Kalk und Sandstein werden in Schichten übereinander gebrannt.
Die Oberflächen sind wie fragile Archive – haptische Landschaften, die von Orten, Begegnungen und Zeiten erzählen.

 

Spuren Tegula

Von der Spurensuche in der Natur führte mein Weg in den seit Mitte des 12. Jahrhunderts bewohnten Raum der Altstadtinsel Lübecks. Das Denkmalamt Lübeck hat mir diesen Zugang ermöglicht. Straßenstaub und Backsteine aus dem 16. Jahrhundert werden zu neuen, berührbaren Oberflächen verschmolzen. Jedes Gefäß ist eindeutig zuordenbar – es trägt seine Zeit, seine Straße und seine Hausnummer. Vergangenheit und Gegenwart sind im Gefäß alchemistisch zusammengefügt.

 

Spuren Sand

Sand als flüchtiger Spurenträger

Ein Ergebnis von Zerfall und Zeit: Die Geschichte der Landschaft, die durch Wasser, Wind und Eis über Jahrtausende zu Körnern wird. Das Große im Kleinen, das Kleine im Großen.

»In ‚Traces‘ verschmelzen Lehm, Sand und Gestein zu haptischen Oberflächen, die Spuren von Orten, Zeiten und Begegnungen bewahren.«

Keramik im Dialog mit Konzept, Fotografie & Styling

Keramik ist Teil eines größeren Gefüges. Sie entstand im Dialog mit meinen fotografischen Arbeiten und Styling-Konzepten und begann ein Eigenleben, das jetzt in der Umkehrung Konzept und fotografische Umsetzung erfährt.

Gemeinsam entstehen Kompositionen, in denen Form, Material und Licht aufeinander reagieren und Räume wie Betrachter:innen miteinander verbinden.

So wird jede Disziplin – Keramik, Fotografie, Styling und konzeptionelle Arbeit – zu einem gleichwertigen Bestandteil des gesamten künstlerischen Ausdrucks.

 

 

Verwandte Arbeiten:

→ Konzept
→ Fotografie
Traces – Spuren von Material, Zeit und Feuer
Schatten – Formen im Dialog mit Licht und Raum